Postbank-Girokonten bald kostenpflichtig – was tun?

Noch bis Ende Juni bot die Postbank ihr Girokonto Postbank Giro plus nicht nur mit geschenkten Amazon-Gutscheinen im Wert von bis zu 250 Euro, sondern vor allem ohne Entgelt bei belegloser Kontoführung an (wir berichteten). Offenbar hat in der Chefetage des Bankkonzerns innerhalb der letzten Wochen jedoch ein radikales Umdenken stattgefunden:

In diesen Tagen erhalten die mehr als fünf Millionen Girokonto-Kunden per Post ein Informationsschreiben, das über gravierende Änderungen informiert – die wichtigste: Sämtliche ohne Bedingungen kostenlosen Kontomodelle für Erwachsene ab 22 Jahren werden zum 1. November abgeschafft. Dies gilt sogar für Aktionskonten, die seinerzeit als „dauerhaft“ bzw. „lebenslang“ kostenlos beworben wurden.

[Update: Wie die Bank in der Zwischenzeit mitteilte, gibt es eine Ausnahme: Wer vor einigen Jahren über Tchibo das Postbank Giro plus mit Aktionskonditionen beantragt hatte, wird, sofern er Widerspruch gegen die Änderung einlegt, auch weiterhin kein Kontoführungsentgelt zahlen. Ursache ist ein „Fehler“, den die Bank damals bei der Produktbeschreibung gemacht hatte – dort war von „lebenslang kostenlos“ die Rede.]

[Update 2: Am 22. September hat die Postbank auf Druck u.a. von Verbraucherzentralen weitere Zugeständnisse gemacht: Auch alle Konten, bei denen eine dauerhafte Befreiung vom Kontoführungsentgelt zugesagt wurde, bleiben kostenlos. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob dies auf Ihr Girokonto zutrifft, können Sie dies bei der Postbank erfragen. Nähere Details finden Sie unter diesem Link im Frage- und Antwort-Bereich bei „Als ich mein Girokonto eröffnet habe, wurde vertraglich eine kostenlose Kontoführung vereinbart. Es hieß „dauerhaft ohne Berechnung von Kontoführungsentgelt“. Muss ich ab dem 1. November 2016 trotzdem Entgelt für die Kontoführung zahlen?“]

Eine Übersicht über die neuen Konditionen finden Sie in einer PDF-Datei der Postbank unter diesem Link.

Wenn Sie betroffen sind, sollten Sie Schnellschüsse vermeiden, sondern rational ihre Möglichkeiten einschätzen. Zunächst sollten Sie sich die Frage stellen, wie wichtig Ihnen Ihr Postbank-Girokonto überhaupt ist.

Fall 1: Wenn Sie auf keinen Fall zu einer anderen Bank wechseln möchten, haben Sie unter diesem Link (>>> Reiter Kontowechsel) immerhin optional die Möglichkeit, es auf ein höheres oder niedrigeres Kontomodell umzustellen. Interessant: Während das verbreitete „Postbank Giro plus“ ab dem 1. November auch bei Geldeingang nicht mehr kostenlos ist, sondern mit monatlich 3,90 Euro zu Buche schlägt, sinken die Gratis-Hürden beim leistungsstärkeren „Giro extra plus“ sogar:

Momentan ist dafür ein monatlicher Geldeingang von mindestens 4.000 Euro notwendig – ab November sinkt diese Summe auf 3.000 Euro. Und es bleibt beim Geldeingang – auch Eigenüberweisungen sind weiterhin möglich, um dieses Konto gratis zu führen. Der Betrag muss nicht zwingend in einer einzigen Summe eingehen und darf auch jederzeit wieder abgezogen werden.

Fall 2: Wenn Sie Ihr ohne Bedingungen kostenloses Konto gern behalten würden, aber auch ein Wechsel kein absolutes Tabu ist, können Sie auf Risiko gehen: In dem Fall widersprechen Sie vor dem 1. November der Änderung. Je länger Sie sich damit Zeit lassen, desto später kann die Postbank Ihr Konto kündigen. Dass die Bank überhaupt (generell) zu diesem Schritt greift, ist übrigens längst nicht sicher:

Vor kurzem hat der Konkurrent Hypovereinsbank das kostenlose „Konto Online“ abgeschafft – Bestandskunden, die der geplanten Umstellung auf ein kostenpflichtiges Girokonto widersprachen, dürfen das Gratiskonto weiterhin nutzen. Zwar machte die HVB in ihrem Schreiben deutlich, dass dies nicht bis in alle Ewigkeit der Fall sein werde, doch wann diese Kundengruppe tatsächlich zur Kasse gebeten bzw. gekündigt wird, ist völlig offen. Insbesondere wenn die Postbank mit einer größeren Widerspruchsflut zu kämpfen hat, ist es sehr gut möglich, dass sie ähnlich vorgehen wird wie ihr Konkurrent.

Fall 3: Etwas komplizierter wird es, wenn Sie an der oben erwähnten Amazon-Gutscheinaktion teilgenommen haben, aber noch ein Gutschein aussteht. In dem Fall sollten Sie ausrechnen, wann Sie diesen erhalten werden und ob vom zeitlichen Aspekt her ein Widerspruch infrage kommt: Denn kündigen kann die Postbank Sie laut AGB frühestens zwei Monate nach Eingang Ihres Widerspruchs. Wenn Sie diesen also erst ein paar Tage vor dem 31. Oktober abschicken, behalten Sie Ihr Gratis-Konto auf jeden Fall bis mindestens Ende Dezember. Da eine mögliche Kündigung aber sicherlich nicht umgehend verschickt wird, wird dies in der Praxis noch länger der Fall sein.

Übrigens stellt sich rechtlich betrachtet die Frage, ob Sie nicht ohnehin Anspruch auf den Gutschein haben, wenn die Postbank Sie kündigt – Sie wollten das Konto ja zu den vereinbarten Konditionen weiterführen.

Fall 4: Sollten Sie keinen Wert mehr auf Ihr Postbank-Konto legen, können Sie es übrigens jederzeit mit sofortiger Wirkung kündigen – sofern dies durch den Kunden geschieht, haben Girokonten generell keine Kündigungsfrist.

Und was dann? Nach wie vor bieten etliche Banken kostenlose Girokonten an – entweder mit oder ganz ohne Bedingungen. Dabei sind die „Features“ der Konten relativ unterschiedlich, so dass keine pauschale Empfehlung abgegeben werden kann. Deshalb empfehlen wir Ihnen, unter diesem Link einen Girokontovergleich durchzuführen.

Einige Girokonten haben übrigens interessante Alleinstellungsmerkmale:

  • Deutschlandweit kostenlos Geld abheben an allen Sparkassen-Geldautomaten: 1822direkt – das Konto ist kostenfrei, sofern pro Monat mindestens ein Geldeingang in beliebiger Höhe vorliegt (Eigenüberweisungen erlaubt).
  • Deutschlandweit unlimitiert kostenlos Geld einzahlen an Geldautomaten der Deutschen Bank: Norisbank – das Konto ist dauerhaft kostenfrei und bietet zudem weitere interessante Merkmale; Details finden Sie in diesem Artikel.

  • Dauerhaft kostenloses Girokonto mit monatlicher Vergütung: Santander Bank – Details finden Sie in diesem Artikel.